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[ Band 6 Brief 47: Humboldt an Caroline London, 2. Februar 1818 ]
und der Prinz von Homburg in einem anderen. Um 6 ging man zum Essen hinunter, im Frack, ohne alle Hofgêne oder Eti- kette. Bald darauf versammelte sich die Gesellschaft, etwa 25 Per- sonen, worunter fünf bis sechs Damen waren. Der Regent kam etwas später. Er ist überaus artig, höflich, und macht die Honneurs, wie es ein Partikulier in seinem Hause machen könnte. Auf das Essen wird unendlich gehalten. Es ist in Essen, Wein und Glaces das Ausgesuchteste, was es geben kann. Der Prinz behandelte mich mit sehr vieler Auszeichnung. Die meisten spielen Karten, und man treibt sich so bis nach Mitternacht herum, wo man aus- einandergeht. Der Pavillon ist noch lange nicht ausgebaut und noch weniger fertig meubliert. Das Äußere ist in ziemlich mittelmäßiger, aber griechischer Architektur, allein das inwendige Ameublement ganz und durchaus chinesisch und wird auch nun so fortgesetzt. Der Prinz ließ mir selbst die schon gemachten Zeichnungen kommen. Es ist sehr prächtig an Vergoldungen, Porzellanen, geschnitztem Elfenbein, Stoffen usf. Die Hauptlampe kostet 500 Pfund. Allein es ist Jammer und Schade, daß dieser anfänglich vermutlich bloß zufällige Gedanke nunmehr fortgesetzt wird. An sich kann man über den Geschmack, der dies oder jenes vorzieht, wenig sagen. Aber der Prinz benimmt sich alle Gelegenheit, bei diesem Bau und durch ihn die Kunst befördern zu können. Wer will und kann solchen chinesischen Tand machen? Am andern Morgen habe ich erstlich sehr ausgeschlafen und dann mit einem Teil der Gesellschaft gefrühstückt. Dann habe ich mit Esterhazy und Palmella den Stall und die Küche besehen. Der Stall ist ein wahres Pferdepantheon. Denke Dir die Ställe in einer kreisförmigen Linie einer an den anderen gebaut und darüber eine ebensolche Linie von Stallkammern mit einer offenen Galerie darüber, dann den inwendigen Kreis, den dies Gebäude frei läßt, 114