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[   Band 1 Brief 115:    Caroline an Humboldt     [Erfurt], den 9. Januar 1791,   ]


entsponnen, in Ihrem Köpfchen, oder kommt sie von Ihrem Wilhelm?«
Ich sagte ihm alles, wie es ist, daß mir der Dienst eigentlich nie
gefallen, aber daß ich darüber geschwiegen, daß Du Dich deut-
licher darüber geäußert und — doch wozu soll ich Dir wiederholen,
was Du weißt wie ich. Ich wollte dem Goldschatz, der viel Freude
an der Idee, mit uns hier zu leben, verriet, eben vom Papa sprechen,
als wir unterbrochen wurden. Es wird sich schon wieder anknüpfen
lassen. Auch ist es mir gar nicht unwahrscheinlich, daß der Gold-
schatz Dich mit der Zeit nicht gar in ein näheres Verhältnis mit
sich setzt, denn seit dieser Unterredung wirft er es schon mehrmalen
hin, daß das doch eigentlich eines Landesherrn süßester Genuß sei,
Leute von Verdienst und Talent um sich zu versammeln und sie in
den Kreis zu setzen, in dem sie am nützlichsten und wirksamsten
sein könnten. Komm nur, mein Bill, daß dieser liebe Goldschatz
Dich mehr kennen lernt, ich weiß, daß Du ihm um vieles eine
neue, seltene Erscheinung sein wirst, und mit Papa wird sich’s auch
schon geben. —
Arme Li muß aufhören, um die Post nicht zu versäumen.
Lebe wohl, mein süßes Leben. Noch einen Kuß und herzliche Grüße
von Lili, die mich den Vierzehnten verläßt. Ach, der April!


116. Caroline an Humboldt   [Erfurt], Freitag morgen, den
                                      14. Januar 1791, nach 8 Uhr

Lili ist fort, und in der Bangigkeit, die mein Herz bei ihrem
Scheiden ergreift, wende ich mich zu Dir, mein süßes
Wesen, einen Augenblick an Deinem Busen zu ruhen
und Hoffnung und Trost aus dem Gedanken unsrer Liebe zu schöpfen.
O, Bill, dieser Tag scheint zu Trennungen bestimmt, vor vier
Monaten gingst Du, und heut Lili. Mein Herz blutet aufs neue,

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