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[   Band 7 Brief 25:    Caroline an Humboldt     Teplitz, 16. Julius 1820   ]


sten Blütezeit der Rosen ein wirklich überraschender und unendlich
reizender Anblick, denn der ganze Turm ist ein Rosenstrauß. Die
Ruine heißt die Rosenburg. Wem sie gehört hat, weiß man nicht.
Clarys *) sagen, daß es gar keine geschichtliche Notizen über die
Besitzer der unzähligen Burgen gäbe, die in Böhmen umherliegen,
der Dreißigjährige Krieg habe alles zerstört. Von jener Rosen-
burg nun hat man eine unermeßliche Aussicht. Man muß sie
nicht mit der anderer Länder vergleichen, wo die Form der Berge
und die Beleuchtung schöner ist, aber zu allem hier, wie es das
Land beut, zusammenstimmend, ist sie sehr schön und besonders reich
und lachend durch die üppige Vegetation. Die Eschen sind hier
der köstlichste Baum. Zu einer unglaublichen Höhe aufschießend
stehn sie mit mächtigen Stämmen da. Ich weiß nicht, ob’s Dir
auch so geht, schöne Bäume sehe ich beinahe mit eben dem Wohl-
gefallen wie sehr schöne Menschen an.
Burgsdorffs **) kamen Sonnabend abend hier durch und gingen
Sonntag nach Karlsbad. Ich sah die Frau am Morgen ihrer
Abreise. Ach, mit Sorgen sieht man ihr nach!
Ich muß aufhören, die Briefe sind noch nicht da, und es wird
Zeit, zur Post zu senden. Lebe wohl, die Kinder sind wohl und
grüßen unendlich. Ewig in Liebe Dein.
Den 31. bin ich, so Gott will, in Burgörner, wonach Du
Dich wohl mit den Briefen richtest.

———
*) Karl Josef, Fürst v. Clary und Aldringen, geb. 1777, † 1831, Lite-
ratur- und Kunstfreund, Besitzer der Fideikommißherrschaft Teplitz, vermählt
mit Luise, Gräfin von Chotek.
**) Wilhelm v. Burgsdorff. Vgl. Bd. III, S. 36.

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