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[   Band 4 Brief 140:    Caroline an Humboldt     Wien, 14. März 1814   ]


denke, wie vor vier Jahren ich an diesem Tage nahe bei Neapel
war, Orangen aß, überall das Landvolk in den Weingärten arbeitete,
wie wir die Kalesche zumachten, weil die Sonne zu heiß brannte,
ach, da war es freilich anders und schöner. Warum sind Land und
Menschen meist immer so getrennt? Mit Deutschen jenes eine,
schmale, meerumflossene Land bewohnen, das wäre doch der Erden-
güter schönstes.
Da fällt mir die Insel wieder ein — Lampedusa! Ich freue
mich recht auf den eigenen Artikel im Friedenstraktat, worin sie mir
verschrieben wird.
Apropos, der Frieden (dereinst wird doch einer geschlossen)
wird doch unter den Umständen nicht französisch abgefaßt werden?
Unsere Kinder und Enkel glauben ja wahrhaftig nicht an die
Wahrheit der Geschichte, an die erlittene und gerochene Schmach,
wenn das wäre. Ich weiß, Du siehst diese Dinge manchmal zu
gleichgültig an, aber tue es nicht. Es muß in allem ein Anfang
gemacht werden. Du wirst mir sagen, daß im Parlament von
England konstitutionsmäßig französische Reden gehalten werden, allein
sie besaßen einmal einen Teil von Frankreich. Das Friedensin-
strument muß, dünkt mich, lateinisch abgefaßt werden, so ist es
billig gegen alle.
Die Ramdohr empfiehlt sich Dir dankbarst, es geht alle Tage
besser mit ihr, und sie ist, wie Du denken kannst, ganz in Dankbar-
keit aufgelöst. Das glaube ich selber, daß ohne so geschickte ärztliche
Hilfe sie zwei Stunden nach der Entbindung nicht mehr am Leben
war, und dann zwischen der vierten und fünften Nacht, da war sie
agonisierend. Sie behauptete damals und jetzt noch immerfort,
ich hätte ihr immer in einem lichten rötlichen Schimmer vorgestanden
und sie immer mit den schönsten Dingen übergossen, die gleichsam
wie ein rosiger Duft von mir ausgegangen wären. Sie sagte in
jener Nacht etwas Furchtbares, was mich sehr ergriff, da ich ihren

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