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[   Band 3 Brief 125:    Humboldt an Caroline    Königsberg, 17. Oktober 1809   ]


macht, und wenn wir unglücklicherweise noch länger bleiben sollten,
habe ich wenigstens nichts von der Kälte zu besorgen. Man wird
jetzt nicht mehr frei einquartiert, sondern bekommt für Wohnung
und Heizung 30 Taler monatlich. Mich kostet freilich die Miete
allein 25 Taler, aber ich erhalte auch noch wegen der Kanzlei,
die ich im Hause habe, etwas Holz in natura, und ich wollte am
Quartier nicht ängstlich sparen, da die Gesundheit sonst leicht
darunter leidet.
Ich habe auch hier die Freude, Dein liebes Bild wieder
unmittelbar auf meinen Schreibtisch stellen zu können. Ach!
wie unendlich gut mich die blauen Augen ansehen. Es ist noch
alles still und ich schreibe Dir bei Licht. Die Posttage wird mir
immer das Aufstehen gar nicht sauer, da ich da immer den
Morgen damit anfange, Dir zu schreiben. Die Kinder hängen,
wie in Rom, über dem Sofa und sind die Freude jedes, der sie
ansieht.
Das Gerücht, daß wir alle Ende November nach Berlin
gehen, bestätigt sich immer mehr. Ich fange nun selbst an, daran
zu glauben und freue mich sehr, Theodor wieder unter Augen
zu haben, selbst ihn nur wieder zu sehen. Ich habe kaum geglaubt,
daß ich mich oft so nach ihm sehnen könnte. Die Kinder sind
einem sehr ans Herz gewachsen. In der Jahresnacht meiner
Abreise von Rom, am 15. dieses Monats, war ein Ball beim
Kronprinzen, und ich tanzte zum Scherz und um der Mutter
Freude zu machen mit der kleinen Elisa Radziwill, die ungefähr
sieben Jahre alt ist. Wie hat sie mir die Adelheid zurückgerufen,
wie . . . mit ihr tanzte bei Lucians! Ich habe es dem Menschen
nie vergessen, und er hat schwerlich gedacht, daß er sich dadurch
so bei mir insinuiert hatte.
Dieser Ball war auch übrigens merkwürdig. Du wirst
meinen Brief aus Memel bekommen haben und wirst daraus

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